LiPo richtig lagern: Lagerspannung, Storage-Modus und Sicherheit erklärt
LiPo-Akkus sind im Modellbau kaum noch wegzudenken. Sie liefern viel Leistung bei vergleichsweise geringem Gewicht und stecken heute in RC-Cars, Flugmodellen, Booten, Drohnen und vielen anderen Modellen.
Beim Lagern machen allerdings viele einen einfachen Fehler: Der Akku bleibt nach dem Fahren halb leer liegen oder wird vollständig geladen in die Schublade gelegt. Beides ist auf Dauer ungünstig.
Für längere Pausen gibt es deshalb den sogenannten Storage-Modus. Dabei wird der LiPo auf eine geeignete Lagerspannung gebracht. Das schont die Zellen und macht den Umgang mit dem Akku übersichtlicher.
In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Spannung sich für die Lagerung eignet, wie der Storage-Modus funktioniert und worauf ich bei der Aufbewahrung von LiPos achten würde.
Hinweis: Einige Links in diesem Artikel sind Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis unverändert.
Warum sollte man einen LiPo nicht voll lagern?
Ein vollständig geladener LiPo befindet sich auf einer hohen Zellenspannung. Bei einem klassischen LiPo sind das bis zu etwa 4,2 Volt pro Zelle.
Für einen unmittelbar bevorstehenden Einsatz ist das natürlich richtig. Wenn der Akku aber mehrere Tage oder Wochen voll herumliegt, ist das für die Zellchemie ungünstiger als eine Lagerung bei mittlerem Ladezustand.
Deshalb ist es keine gute Idee, am Sonntag alle Akkus vollzuladen, wenn noch gar nicht feststeht, ob sie am nächsten Wochenende wirklich gebraucht werden.
Und warum sollte ein LiPo nicht leer gelagert werden?
Auch die andere Richtung ist problematisch. Nach einer Fahrt ist ein LiPo oft schon recht weit entladen. Wird er dann über längere Zeit liegen gelassen, kann seine Spannung weiter absinken.
Bei zu niedriger Zellenspannung kann der Akku dauerhaft geschädigt werden. Deshalb würde ich einen gefahrenen LiPo nicht einfach monatelang ungeprüft in der Modellkiste liegen lassen.
Welche Lagerspannung ist für LiPo-Akkus sinnvoll?
Für klassische LiPo-Akkus liegt die typische Lagerspannung ungefähr bei 3,8 Volt pro Zelle. Viele Ladegeräte verwenden Werte um etwa 3,80 bis 3,85 Volt pro Zelle.
Der genaue Zielwert kann je nach Ladegerät und Akkutyp etwas variieren. Das ist kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, dass der Akku nicht voll und nicht weit entladen gelagert wird.
| LiPo | Typische Lagerspannung gesamt |
|---|---|
| 1S | ca. 3,8 V |
| 2S | ca. 7,6 V |
| 3S | ca. 11,4 V |
| 4S | ca. 15,2 V |
| 6S | ca. 22,8 V |
Diese Werte sind Näherungswerte. Ein Ladegerät, das bei einem 2S-LiPo beispielsweise 7,7 Volt anzeigt, liegt weiterhin im typischen Storage-Bereich.
Was macht der Storage-Modus?
Der Storage-Modus eines Ladegeräts bringt den Akku automatisch auf eine geeignete Lagerspannung.
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:
- Ein zu leerer Akku wird geladen.
- Ein zu voller Akku wird entladen.
Das Ladegerät arbeitet so lange, bis die Zielspannung erreicht ist. Bei einem Balancer-Ladegerät werden dabei auch die einzelnen Zellen überwacht.
Das ist deutlich einfacher, als die Spannung per Hand zu beobachten und den Ladevorgang selbst rechtzeitig zu stoppen.
Wie stelle ich meinen LiPo auf Storage?
Bei den meisten Modellbau-Ladegeräten ist der Ablauf ähnlich.
- LiPo am Ladegerät anschließen.
- Balancer-Stecker verbinden.
- Passende Zellzahl kontrollieren.
- Programm „Storage“ oder „LiPo Storage“ auswählen.
- Strom einstellen oder Vorgabe des Ladegeräts verwenden.
- Programm starten.
- Nach Ende Zellenspannungen kontrollieren.
Vor dem Start würde ich immer prüfen, ob die erkannte Zellzahl zum Akku passt. Ein 3S-Akku muss auch als 3S erkannt werden.
Wie lange dauert der Storage-Modus?
Das hängt stark davon ab, ob der Akku geladen oder entladen werden muss.
Ein halb leerer Akku lässt sich meist relativ schnell auf Lagerspannung bringen. Ein vollständig geladener großer LiPo kann dagegen deutlich länger brauchen.
Der Grund liegt häufig in der begrenzten Entladeleistung vieler Ladegeräte. Während ein Gerät vielleicht mit mehreren Ampere laden kann, erfolgt das Entladen nur mit einer deutlich geringeren Leistung.
Deshalb kann es bei einem großen 4S- oder 6S-Akku durchaus eine Weile dauern, bis der Storage-Modus beendet ist.
Soll ich einen LiPo direkt nach dem Fahren auf Storage bringen?
Wenn ich weiß, dass der Akku in den nächsten Tagen nicht mehr gebraucht wird, würde ich ihn zeitnah auf Lagerspannung bringen.
Direkt nach einer harten Fahrt sollte der Akku vorher auf normale Umgebungstemperatur abkühlen. Einen noch deutlich warmen LiPo würde ich nicht sofort laden.
Steht bereits fest, dass am nächsten Tag wieder gefahren wird, ist ein zusätzlicher Storage-Zyklus meistens unnötig.
Wie lange darf ein LiPo voll herumliegen?
Hier gibt es keine magische Grenze, nach der ein Akku plötzlich beschädigt ist. Ein LiPo nimmt nicht sofort Schaden, nur weil er einen Tag vollgeladen liegt.
Für die Lebensdauer ist es trotzdem sinnvoll, längere Phasen bei voller Ladespannung zu vermeiden. Weiß ich bereits, dass der nächste Einsatz erst in einigen Tagen oder Wochen stattfindet, würde ich den Akku auf Storage bringen.
LiPo vor der Lagerung kontrollieren
Bevor ein Akku für längere Zeit verschwindet, lohnt sich ein kurzer Blick auf seinen Zustand.
- Ist der Akku aufgebläht?
- Ist die Folie beschädigt?
- Sind Kabel oder Stecker beschädigt?
- Gibt es auffällige Unterschiede zwischen den Zellenspannungen?
- Wurde der Akku ungewöhnlich heiß?
Ein auffälliger oder beschädigter Akku sollte nicht einfach wieder in die normale Akkukiste gelegt werden.
Zellenspannung mit einem LiPo-Checker prüfen
Für eine schnelle Kontrolle nutze ich einen kleinen LiPo-Checker am Balancer-Stecker. Damit sieht man innerhalb weniger Sekunden sowohl die Gesamtspannung als auch die Spannung jeder einzelnen Zelle.
Das ist besonders praktisch, wenn mehrere Akkus vorhanden sind und man nicht mehr weiß, welcher bereits auf Storage gebracht wurde.
Wie oft sollte man gelagerte LiPos kontrollieren?
Ein LiPo auf korrekter Lagerspannung muss nicht jede Woche überprüft werden. Bei längerer Lagerung würde ich die Akkus aber gelegentlich kontrollieren.
Besonders bei älteren Akkus lohnt sich ein Blick auf die Zellenspannungen. Fallen einzelne Zellen deutlich stärker ab als andere, kann das auf einen alternden oder beschädigten Akku hindeuten.
Wo sollte man LiPo-Akkus lagern?
Der Lagerplatz sollte trocken, kühl und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein.
Ich würde LiPos nicht dauerhaft im heißen Auto, direkt auf einer Heizung oder an einem Ort mit starken Temperaturschwankungen lagern.
Ebenso sinnvoll ist ein Platz, an dem sich in unmittelbarer Nähe keine leicht entzündlichen Materialien befinden.
LiPo-Tasche für die Lagerung
Viele Modellbauer verwenden sogenannte LiPo-Bags. Diese Taschen bestehen aus schwer entflammbarem Material und werden sowohl zum Transport als auch beim Laden und Lagern eingesetzt.
Eine solche Tasche macht einen beschädigten Akku nicht ungefährlich. Sie kann aber ein zusätzlicher Baustein bei der sicheren Aufbewahrung sein.
LiPo-Box oder Metallbox?
Wer mehrere Akkus besitzt, sucht früher oder später nach einer festen Aufbewahrungslösung. Dafür gibt es spezielle Akku- und Sicherheitsboxen.
Bei geschlossenen Behältern sollte man allerdings darauf achten, dass sie tatsächlich für die Aufbewahrung von Lithium-Akkus vorgesehen sind. Ein beliebiger komplett luftdicht geschlossener Metallbehälter ist nicht automatisch die beste Lösung.
Bei einer Störung können sich Gase und Druck entwickeln. Deshalb würde ich eine speziell für Akkus vorgesehene Lösung gegenüber irgendeiner improvisierten Dose bevorzugen.
Stecker gegen Kurzschluss schützen
Ein Punkt wird bei der Lagerung schnell vergessen: Die Anschlussstecker sollten keinen Kontakt mit Metallteilen bekommen können.
Bei offenen Stecksystemen können Schutzkappen sinnvoll sein. Außerdem würde ich Akkus so lagern, dass lose Schrauben, Werkzeug oder andere Metallteile nicht an die Kontakte gelangen können.
LiPo im Winter lagern
Viele RC-Cars, Boote und Flugmodelle werden im Winter deutlich seltener benutzt. Genau dann ist der Storage-Modus besonders wichtig.
Vor einer mehrmonatigen Winterpause würde ich:
- alle Akkus auf Schäden prüfen,
- jede Zellenspannung kontrollieren,
- die Akkus auf Storage bringen,
- Stecker schützen,
- die Akkus trocken und kühl einlagern,
- die Spannung während des Winters gelegentlich kontrollieren.
So ist im Frühjahr auch sofort klar, welche Akkus noch in gutem Zustand sind.
LiPo nicht im Modell lassen
Für längere Lagerzeiten würde ich den Akku aus dem Modell herausnehmen.
Das hat mehrere Vorteile. Der Akku kann separat kontrolliert werden und bei einem Defekt sind Fahrzeug, Flugzeug oder Boot nicht direkt betroffen.
Außerdem besteht bei manchen Modellen die Gefahr, dass angeschlossene Elektronik einen kleinen Ruhestrom zieht. Über sehr lange Zeit kann dadurch die Akkuspannung weiter absinken.
Was tun mit einem aufgeblähten LiPo?
Ein deutlich aufgeblähter Akku gehört nicht einfach zurück in die normale Akkutasche und sollte nicht weiter wie ein unauffälliger LiPo behandelt werden.
Ich würde einen solchen Akku nicht mehr im Modell einsetzen. Für die fachgerechte Entsorgung sollten die örtlichen Vorgaben und Rücknahmemöglichkeiten genutzt werden.
Auf keinen Fall sollte ein LiPo geöffnet, durchstochen oder mechanisch beschädigt werden.
LiPo und LiHV nicht verwechseln
Bei neueren RC-Anwendungen findet man neben normalen LiPos auch LiHV-Akkus. Diese können eine höhere Ladeschlussspannung besitzen.
Deshalb sollte am Ladegerät immer das passende Akkuprogramm verwendet werden. Auch bei der Lagerung würde ich mich an die Vorgaben des Akku- und Ladegeräteherstellers halten.
Die 3,8-Volt-Regel ist eine gute Orientierung für klassische LiPos, ersetzt aber nicht die Angaben des jeweiligen Herstellers.
Muss man neue LiPos sofort auf Storage bringen?
Neue LiPos werden häufig bereits mit einer für Transport und Lagerung geeigneten Spannung ausgeliefert. Deshalb sind sie normalerweise nicht vollständig geladen.
Vor der ersten Verwendung würde ich trotzdem die Zellenspannungen kontrollieren und den Akku anschließend mit dem passenden Ladeprogramm vollständig laden.
Die wichtigsten Werte auf einen Blick
| Zustand | Spannung pro Zelle | Geeignet für Lagerung? |
|---|---|---|
| Voll geladen | ca. 4,2 V | Für längere Lagerung ungünstig |
| Storage | ca. 3,8–3,85 V | Ja |
| Stark entladen | deutlich unter Storage-Spannung | Nein |
Die Tabelle dient als einfache Orientierung. Die tatsächlichen Grenzwerte hängen vom jeweiligen Akkutyp und Hersteller ab.
Mein Ablauf nach einem RC-Tag
Ich würde es möglichst unkompliziert halten. Nach dem Fahren kommen die Akkus aus dem Modell und dürfen erst einmal abkühlen.
Danach entscheide ich, wann sie wieder gebraucht werden. Ist der nächste Einsatz erst später geplant, kommen sie am Ladegerät in den Storage-Modus. Anschließend prüfe ich kurz die Zellenspannungen und lagere die Akkus an ihrem vorgesehenen Platz.
Das dauert nur wenige Minuten zusätzliche Aufmerksamkeit und verhindert vor allem, dass irgendwo ein vollgeladener oder fast leerer Akku über Wochen vergessen wird.
Fazit: Storage-Modus sollte zur normalen LiPo-Pflege gehören
LiPo-Akkus richtig zu lagern ist nicht kompliziert. Für klassische LiPos liegt die Lagerspannung typischerweise ungefähr bei 3,8 bis 3,85 Volt pro Zelle.
Ein modernes Balancer-Ladegerät erledigt den Rest automatisch. Im Storage-Modus wird ein zu voller Akku entladen und ein zu leerer Akku entsprechend geladen.
Zusätzlich würde ich die Akkus vor längeren Pausen kontrollieren, Stecker vor Kurzschlüssen schützen und die Packs trocken sowie kühl lagern.
Gerade bei der Winterpause oder bei Modellen, die nur gelegentlich gefahren oder geflogen werden, gehört der Storage-Modus für mich deshalb zu den wichtigsten Funktionen eines LiPo-Ladegeräts.